Bericht über die Jugenddiscothek PopInn
in der Berliner Zeitung vom 31. Juli 2008

Komatrinken? Bobbycar-Rennen!
Das PopInn ist Berlins einzige Disko ab 14 Jahren.
Alkoholabstürze gibt es dort nicht.
Es ist kurz vor elf, als sich auf der Tanzfläche eine Traube bildet. Ein gutes Dutzend Teenager liegt sich in der Steglitzer Jugenddisko PopInn in den Armen und johlt: "Ausziehen, ausziehen!" In ihrer Mitte hüpft ein Junge in Jeans und T-Shirt, und er enttäuscht sie nicht. Bald darauf wirbelt sein Hemd durch den Kunstnebel. Die Hip-Hop-Beats werden kurz vom Grölen der Menge übertönt.
Etwas abseits tanzt Damir. Er hüpft nicht. Seine Leinenschuhe gleiten seitwärts über den glatten Boden. Der Oberkörper bleibt dabei fast regungslos. Er lässt seinen Blick über die Tanzfläche schweifen. Ein wenig später sitzt Damir im Nebenraum. Das hölzerne Mobiliar erinnert an den Aufenthaltsraum einer Jugendherberge. Das Licht ist zu hell für eine Disko.
Damir trägt Jeans, ein weißes T-Shirt und eine schwarze Lederjacke. Das kurze schwarze Haar ist gegelt. Er komme seit eineinhalb Jahren hierher, erzählt er. Früher sei es cooler gewesen. Mehr Leute. Damir ist jetzt 15. Was er sich vom Abend verspricht? Ein paar Mädels "klarmachen", Handynummern austauschen, mal sehen.
Weniger hoffnungsfroh ist die Stimmung ein paar Stockwerke höher. Dave Bartz sitzt im Büro des Vereins Berliner Jugendclub, der das PopInn seit mehr als 40 Jahren betreibt. Bartz kennt die Disko noch aus Jugendzeiten. Schon mit 13 mogelte er sich mit falschem Ausweis am Türsteher vorbei. Mit 19 legte er Platten auf. Jetzt ist Bartz 34 und seit drei Jahren Leiter des PopInn.
Bartz hat das Ruder in einer schwierigen Zeit übernommen. Zwar ist sein Laden der einzige von ehemals vier Jugenddiskos in Berlin, der überlebt hat. Doch auch das PopInn hat zu kämpfen, vor allem mit seinem Image. Bartz schwört auf das Jugendschutzgesetz und steht damit in der Szene ziemlich allein da.
Der Verein will die Teenager auf behutsame Weise auf das Clubleben vorbereiten, mit Niedrigpreisen und nahezu alkoholfrei. Als Träger der Jugendhilfe darf das PopInn auch Jugendlichen ab 14 bis Mitternacht Einlass gewähren. Die Altersobergrenze liegt bei etwa 21 Jahren. Zwei Euro kostet der Eintritt. Ein Bier - erlaubt ab 16 Jahren - kostet dasselbe, eine Cola die Hälfte. An der Bar können die Jüngsten Softdrinks bestellen oder alkoholfreie Cocktails mit Namen wie "Schweinchen Babe". Spirituosen sind nicht im Angebot, auch nicht für Volljährige.
Das Problem ist nur: Auch andere Clubs haben junge Gäste als Zielgruppe entdeckt. Sie locken mit Flatrate-Partys und einer laxen Türpolitik. Im PopInn gibt es Bobbycar-Rallyes statt Pfläumchenwettsaufen. Zudem holt Bartz oft Nachwuchsmusiker auf die Bühne. Die Gäste überzeugt das trotzdem weniger als früher, an guten Abenden kommen noch 150. Immer tiefer rutscht der Laden, der vor einem Jahr erst gründlich aufgehübscht wurde, in die roten Zahlen. "Wir sind die Einzigen in Berlin, die sich komplett an das Jugendschutzgesetz halten und riskieren deshalb, unsere Gäste zu verlieren", sagt Bartz.
An die Regeln des PopInn halten sich die Jugendlichen, zumindest im Club. Chef Bartz weiß aber auch, dass einige Besucher auf dem Weg zum PopInn schon mal "vorglühen". Leere Flaschen findet er regelmäßig in der Umgebung. Wie man mit dem Problem umgehen soll, diskutiert Bartz mit dem Jugendamt und dem Bezirk. Er hat den Kampf für Partys ohne jugendliche Alkoholabstürze noch nicht aufgegeben.
Auf der Tanzfläche herrscht derweil WM-Stimmung. Sportfreunde Stiller dröhnen aus den Boxen und der DJ schiebt zum Refrain den Regler runter. Per Mikro fordert er zum Mitsingen auf. Doch die tanzwütige Teenagergruppe krakeelt bereits: "54, 74, 90, 2010, ja so stimmen wir alle ein ." Damir steht mit seinen Kumpels am Rand und fragt sich, ob heute wirklich noch was geht. Wenn nicht, macht das auch nichts. Dann halt beim nächsten Mal, denn er wird wiederkommen. In sein PopInn.
PopInn: Donnerstag bis Sonnabend ab 19 Uhr. Ahornstraße 15a.
www.popinn.de
Foto: So tanzt der Nachwuchs: In der Jugenddisko PopInn werden Teenager an die Clubszene herangeführt.
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